Neues aus dem Jahr 2017


Vorankündigung für den FASD-Zertifikatskurs der Fachhochschule Münster:

                                          
Die FAS-Broschüre für Schulen, Lehrkräfte und Eltern findet erfreulicherweise mehr und mehr Beachtung und inhaltliche Zustimmung. Sie ist weiterhin kostenlos abrufbar:
http://www.katho-nrw.de/fileadmin/primaryMnt/Aachen/Dateien/Aktuelles/Kinder_mit_FASD_in_der_Schule.pdf


Das FAS ist verwechselbar mit einer Fülle an genetischen Erkrankungen. Die Differenzialdiagnostik ist dann nicht immer ganz leicht. Allerdings können FAS und genetische Erkrankungen recht sicher unterschieden werden, weil sie sich in einigen Symptomen jeweils dann doch deutlich unterscheiden.
Klassische Beispiele sind der starke Haarwuchs beim Cornelia-de-Lange-Syndrom (FAS-Haare eher schütter) oder die weiten Lispalten beim Kabuki-Syndrom.
Unter "Diagnostik" ist nun eine Liste angehängt, die eine größere Anzahl von genetischen Erkrankungen beschreibt, dabei Ähnlichkeiten zum FAS und auch Unterschiede in den charakeristischen Merkmalen aufzeigt.


Obwohl seit der Erstbeschreibung des FAS im Jahre 1968 (Lemoine) viel über das Krankheitsbild geforscht wurde, ist die Kenntnislage über die Prävalenz und Inzidenz des Syndroms immer noch unbefriedigend. Für viele Länder existieren keine eigene Daten, sondern nur Schätzungen, die auf den Ergebnissen von anderen Ländern basieren. Da jedoch die Trinkgewohnheiten und Bevölkerungsstrukturen von Land zu Land stark variieren können, sind diese Übertragungen nicht exakt und können nur ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit abgeben.
Wir wählten in unserer Prävalenzstudie eine ländliche (Vechta) und eine kleinstädtische Region (Kreis Soest) und baten alle Pflegeeltern, ihr Pflegekind mit dem FASQ (Fetal Alcohol Syndrome Questionnaire) einzuschätzen. Der FASQ als Screeningverfahren erlaubt, Kinder mit einem FAS differentialdiagnostisch sicher zu identifizieren. Die Rücklaufquote war mit über 50% recht hoch. Der Anteil der Pflegekinder mit einem FAS lag bei 23%. Wir nehmen für weitere Berechnungen Studien zur Grundlage, denen zufolge 80% der Kinder mit einem FAS in Obhut genommen werden und berechnen aus der Zahl der in Deutschland in Obhut lebenden Kinder (das sind Pflege- und Adoptivkinder sowie Kinder in Heimen) die Gesamtzahl der FAS-Kinder bundesweit.
Das sind gut 40.000 Kinder mit FAS im Land, das entspricht einer Prävalenz von 3 zu 1000 Kindern (1 : 330). Jährlich werden demnach in Deutschland ca 2050 Kinder mit einem FAS geboren. 

                                        
S. Popova hat eine Meta-Analyse zur globalen Prävalenz (Auftretenshäufigkeit) von FAS publiziert (Lancet Glob Health 2017). Es handelt sich weithin um Schätzungen, was aber anders nicht geht. Für Deutschland liegt die Schätzung laut einem Spiegel-Beitrag zu Popovoas Publikation bei 3,8 FAS-Kindern auf 1000 Geburten.
Im Originaltext von Popova werden für Deutschland 2,5 bis 3,5 FAS-Kinder auf 1000 Geburten angegeben. Nach unserer Münsteraner Studie (Nordhues et al. 2013) sind es 3,3 FAS-Kinder auf 1000 Geburten.
Wesentlich genauer wird man das mit den Prävalenzzahlen nicht hinbekommen. Es ist aber richtungweisend, dass die Zahlen (unsere und Popovas) so eng übereinstimmen: Höhere Zahlen der FAS-Prävalenz in Deutschland, wie sie manchmal verbreitet werden, sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen.